fauSTimmen in China

Ein Bericht von Pauline Jacob, Schülerin am Faust-Gymnasium Staufen

(Den Bericht der Badischen Zeitung finden Sie hier)
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Chinareise Juli 2005    

Es war wundervoll, die ganze Reise durch.

Nach 12stündiger Flugreise tauchten wir direkt am Shanghaier Flughafen in eine andere Welt ein, laut, schwül, voll und schnell. Beeindruckend.

Wir wohnten in dem Schülerwohnheim der Schule, die das Festival ausrichtete. Die Zimmer waren gut, auch wenn es wirklich extrem nach Bambus und Räucherstäbchen roch und uns die chinesische "Beruhigungsmusik", die die ganze Zeit über auf dem Campus aus Lautsprechern quoll, doch ein bisschen irritierte.

Wir hatten die ersten beiden Tage viel Freizeit, weil von der Festivalsplanung Zeit für Proben gerechnet worden waren, die wir nicht nutzen wollten. So konnten wir uns den Fernsehturm anschauen und auch einige Male ein bisschen shoppen gehen, da alles sehr günstig war und man auch noch sehr gut handeln konnte. Außerdem wurden wir, sobald wir auf die Straße kamen, zu Stars, man fotografierte und filmte uns und vor allem die blonden Mädchen waren sehr begehrt ("You are so beautiful, you look like Barbie, can I please take a picture with you?“).

Das Festival fand im

Shanghai Oriental Art Center statt.

Umjubelter Schlussauftritt:

Don`t worry, be happy!

Luxuriöser Empfang

Partnerschule in Shanghai

Marktstand            Frühstück

Peking: Platz des Himmlischen Friedens

Peking: Sommerpalast

 

Am Montagnachmittag jedoch kam der Schock. Es war nicht sicher, dass wir die benötigten 6 Mikrophone für den Festivalauftritt  hatten (Wir waren eigentlich von 10 ausgegangen). Zusätzlich hörten wir auch noch den Chor unseres Gastgebers und fanden in ihm wohl den perfektesten Schulchor, den wir alle je gehört hatten. Doch noch am selben Tag: die Erlösung, 6 Mikrophone, was ja auch schon zu wenig war, waren organisiert. Diese Information sollte sich bis fünf Minuten vorm Auftritt noch alle halbe Stunde ändern.

Dann kam der Dienstag und mit ihm die Stunde unseres großen Auftrittes. Am Vormittag ging es mit allen Festivalteilnehmern ins Museum und dann wurden wir mit Bussen zu dem Konzertsaal gekarrt. Groß und bedrohlich tauchte er vor uns auf, ein 3000 Menschen fassender Gebäudekomplex, der uns mit aller Schärfe ins Bewusstsein rief, dass das hier ein wenig anders war als die heimischen Schulkonzerte.

Die Wartezeit begann und auch die anderen Chöre waren wohl nervös. Nach einer Stellprobe, bei der wir zwar 6, doch darunter einige unbrauchbare Klemmmikrophone hatten, waren wir endgültig am Ende und ließen uns verstört auf unseren Plätzen nieder.

Der erste Teil des Programms war der 90. Geburtstag der Schule, ein Festakt mit vielen chinesischen Reden, alle wirklich sehr interessant, ja ja, der zweite Teil war das Festival.

Die anderen Chöre waren großteils wirklich grandios, nahezu perfekt. Es ging wie im Fluge. Wir bekamen die erhofften 6 normalen Mikrophone und zogen unser Programm durch, auch wenn es einige Unstimmigkeiten gab, wie z.B., als eine unserer Sängerinnen erst inmitten ihres Solos bemerkte, dass sie ihr Mikrophon gar nicht angeschaltet hatte. Doch das Publikum war begeistert und wir es danach auch.

Nach einem lebendigen zweiten Konzert am nächsten Morgen verbrachten wir die nächsten Tage damit, Sehenswürdigkeiten um und in Shanghai zu bereisen, immer auch mit den anderen Chören, von denen wir viele kennen lernten und uns sehr gut mit ihnen verstanden. Vor allem die Chinesen, dir wir kennen lernen durften, überraschten uns; hatten wir sie uns unterwürfig und schüchtern vorgestellt, so bemerkten wir nun ihre Gastfreundlichkeit, Offenheit und ihre Bewunderung uns gegenüber.

Doch bald hieß es Abschied nehmen. Nachdem das Festival am Donnerstagabend mit einem großen Bankett offiziell beendet worden war, war es für uns an der Zeit weiterzureisen, die anderen Städte riefen.

So fuhren wir also Freitagmorgen von der Schule los, ein kleiner Bus war für uns bestellt worden, und besuchten als erstes und letztes in Shanghai noch die zukünftige Partnerschule des Fausts mit ihrem sehr netten und freundlichen Direktor. Danach ging es weiter nach Hangzhou, einer Kleinstadt mit nur 6 Millionen Einwohnern, die für ihre Herstellung des grünen Tees bekannt ist, weshalb wir u.a. auch eine Plantage besichtigten und lernten, wie man mit Wassereinschenken Menschen sagen kann, ob sie erwünscht oder unerwünscht sind.

Am nächsten Tag ging es nach einem Ausflug zu einem Lebensmittelmarkt, der wohl für fast alle ein ziemlicher Schock war, mit dem Bus weiter nach Souzhou, die Stadt der Seide, auch sie ein richtiges Provinznest mit 3,5 Millionen Einwohnern. Nachdem wir den Tag über eine Seidenfabrik und mehrere Gärten besichtigt hatten und zweimal in den nobelsten Restaurants Essen gegangen waren, wie wir seit Hangzhou jeden Tag gingen, setzten wir uns in den Nachtzug nach Peking. Eine Erfahrung, aber durch die erste Klasse fast vergleichbar mit deutschen Zügen.

In Peking wartete am Morgen schon unser deutschsprechender chinesischer Reiseführer "Werner" auf uns, der uns in Peking begleitete. Überhaupt hatten wir auf der ganzen Fahrt eine sehr nette deutschsprechende Chinesin dabei, die uns mit Hilfe der lokalen Reiseführer das alte und neue China näher brachte.

Auch Peking war beeindruckend. Laut, ärmer und stickiger als Shanghai, dafür aber mit historisch schöneren Momenten. Wir durften die Verbotene Stadt besuchen, Tempel und Sommerresidenzen der Kaiserfamilien sowie ein ziemlich steiles Stück Große Mauer erklimmen. Wir sahen eine Pekingoper, eine Perfektion der Körperbeherrschung und standen auf dem Platz des Himmlischen Friedens, der leider seinen Namen nicht ganz verdient. Wir erlebten China, wenn auch nur das verwestlichte, bis wir am Dienstagnachmittag ins Flugzeug steigen mussten. Noch keiner von uns war bereit dazu. Wir waren voll mit Eindrücken, mehr zu sammeln wäre wohl unmöglich gewesen, hatten wir durch etliche spontane Konzerte auf den Plätzen des Reiches der Mitte doch Eindrücke erlebt, die "normalen" Touristen verborgen geblieben waren. Doch hätten wir wohl alle gerne noch mehr Zeit damit verbracht, die gesammelten Erinnerungen noch am Platz der Aufnahme zu ordnen.

Und nun, zurück in der Heimat, wird uns wohl ganz langsam allen bewusst, dass das Ziel wirklich enormer Arbeit und enormem Stress hinter uns liegt, dass wir "in China waren"!

Ach und, das gute alte "Shing, shang, shong", das hier jeder sofort sagt, wenn man von der chinesischen Sprache spricht, es heißt sogar was. "Die Große Mauer aus der Shing-Dynastie". Das einzige Problem ist, dass es keine Große Mauer aus der Shing-Dynastie gibt!

TeilnehmerInnen (von oben links nach unten rechts):

Pauline Jacob, Anna Pfefferle, Julia Gnann, Debora Vollrath, Maria Gnann, Andreas Mölder, Maria Steinebrunner, Sarah Hanser, Veronika Lutz, Wolfgang Peltzer, Dr. Helge Deutrich, Peter Koderisch

Wer Näheres zu den fauSTimmen wissen möchte: Peter Koderisch